Presseartikel

Juni 2009

Schwäbischer Abend auf der Alb

Lesung mit Susanne Zimmerer

"Schwäbisch gschwätzt ond gsonga" lautete der Abend beim Sängerbund Bleichstetten. Die beinah 100 Gäste des Sängerbunds haben sich über die Geschichten von Autorin Susanne Zimmerer amüsiert.

 Margit Weber

Bleichstetten. Die Idee für den Schwäbischen Abend kam Dirigent Reiner Spohn beim Zeitunglesen. Da stand, dass Autorin Susanne Zimmerer im vergangenen Jahr den zweiten Platz beim Sebastian-Blau-Wettbewerb gewonnen hatte. "Das ist doch was für uns", dachte er, da machen wir was draus, und setzte seinen Plan mit Hilfe seiner Sängerkollegen in die Tat um. Die Idee des Schwäbischen Abends war geboren, und vergangenen Samstagabend waren allesamt begeistert von den netten Geschichten, die Zimmerer, sitzend im alten roten Sessel, von sich gab.

Eine richtige schwäbische kleine Ecke hatten die Mitglieder dekoriert, um der Lesung den richtigen Rahmen zu geben. Es war aber auch zu köstlich, als Zimmerer die Geschichte vom kleinen Wärzle las. Peinlich war's ihr, des Wärzle zwischen den Zehen. So ging sie zur Apotheke, fragte ganz leise nach einem Wundermittelchen und dachte, jetzt geht's dann weg. Doch die Apothekerin wiederholte laut "A Warz hen se?" und schon war's geschehen. Sämtliche Apothekenbesucher wussten ein Hausmittelchen - die Warzenschlacht war eröffnet.

So redeten Frau Häberle, Scheiffele "ond no Frau Hämmerle" heftigst auf sie ein, rieten ihr zu Spinnenbein und Kuhfladen selbst einnehmen sollte sie dies - igitt, sonst ging die Warze niemals weg. Zimmerer war völlig verzweifelt von soviel "Hilfsbereitschaft", wusste, "jetzt wois es bald der ganze Flegga" und floh in einem unbedachten Augenblick schnell aus der Apotheke. Schmunzelnde Gesichter während der Lesung und viel Beifall erhielt Zimmerer für ihre tollen Geschichten.

Sie waren so lebendig geschrieben, dass man die Personen fast vor geistigem Auge sehen konnten, die Situationen im wahrsten Sinne des Wortes miterleben konnte. Sie handelten noch von der Pupertät, einem alten Griesgram und von Schloss Lichtenstein, wo die Autorin am Wochenende Führungen macht. Zimmerer fielen schon immer nette Geschichten ein, doch erst vor drei Jahren hatte sie damit begonnen, sie auch aufzuschreiben, was den Gästen aus Bleichstetten jetzt zugute kam.

Zwischendurch sangen alle zusammen alte Lieder, wie "Jetzt gang i ans Brünnele" oder "Oh, wenn I Geld gnuag hätt", oder lauschten den sehr schön vorgetragenen Liedern des Chors. Der Sängerbund hatte sich sehr viel Mühe gegeben und wurde dafür belohnt. Den Gästen gefiel der kurzweilige Abend. Sie ließen sich kulinarisch mit schwäbischem Wurstsalat oder eine Vesperplatte verwöhnen, tranken den gestifteten Most vom ehemaligen Ortsvorsteher Ernst Holder und waren alle überzeugt, dass dieser Abend nach einer Wiederholung verlangte. Vorsitzende Uta Seibold ist zwar keine Schwäbin und blieb trotz größter Mühe in ihrer schwäbischen Rede stecken, doch auch sie war völlig begeistert und lässt sich wohl auch in Zukunft gerne von Dirigent Spohn zu solchen netten Abenden überreden.

 

2009 

 

 

Ermstalbote - Bad Urach/Alb - Freitag, 17. Oktober 2008

Aus dem Leben der Älbler

Susanne Zimmerer erhält einen Preis für ihre schwäbischen Texte

Schwäbisch ist hervorragend geeignet, sich subtil und gewählt auszudrücken. Das beweisen auch die Texte von Susanne Zimmerer, die unter den zehn Erstplatzierten um den Sebastian-Blau-Preis gelandet ist.


Anja Mader

Bleichstetten. Kehrwoche, Schneeschippen oder alte Bauern: Susanne Zimmerers Geschichten, Anekdoten und Reflexionen entspringen dem Leben. Genauer gesagt dem Leben auf der Schwäbischen Alb. "Albtägliches" nennt die Hobbyautorin das, was sie verfasst, und das stets geprägt ist von einem eigenen, mal ironischen, mal nachdenklichen Blickwinkel.

Sie erzählt auch gerne persönliche Erlebnisse. Seien es Geschichten aus ihrer Umgebung, vor einigen Jahren ist die gebürtige Reutlingerin nach Bleichstetten gezogen oder Erlebnisse, die sie auf dem Schloss Lichtenstein hat, wo sie an den Wochenenden Führungen anbietet.

Vor drei Jahren habe sie angefangen, das "aufzuschreiben, was in meinem Kopf war". Zunächst noch auf Hochdeutsch, doch schnell hat sie gemerkt: "Das hat sich irgendwie falsch angefühlt." So ist sie schließlich beim Schwäbischen gelandet. Sie schreibt vorwiegend für Freunde und Bekannte oder liest ihre Geschichten auf Firmenfeiern vor. Die Resonanz der Zuhörer, sagt sie, sei jedes Mal gut. Bei der Reutlinger Kulturnacht im vergangenen Jahr hat sie eine Erzählung zum ersten Mal einem größeren Publikum vorgetragen.

Dass ihre Texte einmal von einem Verlag veröffentlicht werden könnten und sie den Durchbruch schafft, glaubt Susanne Zimmerer eigentlich nicht, dazu sei sie zu sehr Realistin. "Es gibt viele Autoren, die auf Schwäbisch schreiben." Doch ganz so abwegig erscheind dies nun nicht mehr: Sie hat sich um den Sebastian-Blau-Preis beworben, und landete auf Anhief unter 144 Bewerbern unter den besten zehn.

Der Preis wird alle zwei Jahre vom Verein "Schwäbische mund.art" ausgelobt. Der Verein will zeigen, dass Schwäbisch eine Kultursprache von hohem Rang und geeignet ist, sich sehr subtil und auch gewählt auszudrücken. Ein weiteres Ziel des Vereins ist es, die Mundart nicht nur regional zu pflegen, sondern auch überregional, etwa in Zeitungen und Radio. Dieses Jahr richtet sich der Preis an Autoren, die schwäbische Texte verfassen, in den Vorjahren wurden auch Kaberettisten und Liedermacher ausgezeichnet. Welchen Platz Susanne Zimmerer belegt, ist noch ungewiss, die exakte Rangfolge wird bei der Preisverleihung am 19. Oktober in der Zehntscheuer in Rottenburg bekannt gegeben. Dann werden alle Autoren ihre Beiträge persönlich vortragen.

Doch egal, welcher Platz es ist, glücklich und zufrieden ist die 43-Jährige bereits jetzt. "Hauptsache ich bin dabei, ich freue mich darüber, alles weitere wäre Zugabe." Die Geschichte, mit der sie sich beworben hat, liege ihr ganz besonders am Herzen, näheres will sie vor der Preisverleihung aber noch nicht verraten. Sie hat sie im vergangenen Winter geschrieben und nun sei es an der Zeit gewesen, dass sie das Licht der Welt erblickt, sagt die Autorin.

 

ermstalbote 2008